15 Mythen rund um unsere Ernährung

Mythen Ernährung

Ernährung ist längst kein Thema mehr für Fitness-Freaks und Gesundheits-Gurus, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Plötzlich weiß jeder Bescheid über die „bösen Kohlenhydrate“, die „gesunden Fette“ oder den perfekten Detox-Tee. Doch wo viel Nachfrage auftritt, ist auch zwielichtiges Angebot nicht fern.

Und leider ist es auch noch im Jahre 2018 möglich, Profit aus dem Unwissen von Menschen zu ziehen. Fatal daran ist, dass Menschen auf dieser Grundlage ungesunde Entscheidungen treffen und sich im Endeffekt selber schaden. Wer dann mit viel Elan und Motivation startet, endet nicht selten frustriert und gibt auf.

Daher ist es höchste Zeit, kurz und knapp mit einigen der hartnäckigsten Ernährungsmythen endlich aufzuräumen. Diese Mythen sind ein Auszug aus dem Buch „Grundlagen unserer Ernährung“ von Felix Josek – Links dazu findet ihr unten.

Mythos Nr. 1: Fett/Zucker/Kohlenhydrate machen dick

Unbestrittener Fakt ist, das eine zu hohe Energieaufnahme dick macht. Wer über längere Zeit eine sogenannte positive Energiebilanz herstellt, also mehr Kalorien zu sich nimmt, als er verbraucht, wird schnell mit ungewollten Fettpolstern rechnen müssen.

Das hat erstmal aber nichts mit Fett oder Zucker zu tun. Nahrungsfett, Zucker und Kohlenhydrate liefern nur Energie, die zu einer positiven Kalorienbilanz führen kann. Das gleiche gilt genauso für Gemüse, Obst oder jedes andere Lebensmittel.

Zu viel Energie macht dick, nicht die Stoffe an sich. Meist sind es jedoch die Lebensmittel, die besonders fettig oder süß sind, die dazu verleiten, das Hungergefühl außer Acht zu lassen und mehr zu konsumieren. Eine Ursache-Wirkungs-Beziehung liegt allerdings nicht vor.

Mythos Nr. 2: Um genug Mikronährstoffe aufzunehmen, braucht man Präparate

Bei einer Ernährung, die zu einem Großteil aus unverarbeiteten und natürlichen Lebensmitteln besteht, sollte die Versorgung mit Mikronährstoffen kein Problem sein. Es ist besonders darauf zu achten, genug Obst, Gemüse und Vollkornprodukte zu essen.

Je bunter der Teller ausfällt, desto mehr Vitamine, Spurenelemente und Mineralien sind meist enthalten. Bei Beschwerden lohnt der Besuch beim Arzt. Pauschal Multivitaminpräparate einzunehmen ist nur bei besonderen Bedürfnissen nötig.

Mythos Nr. 3: Detox-Kuren.

Detox-Programme halte ich für ein wirkliches Phänomen. Die Idee, durch Nahrungsverzicht eine andauernde Körpervergiftung zu bekämpfen, scheint Menschen auf mehreren Ebenen zuzusagen. Viele Religionen pflegen diese Praxis und auch Diätprogramme versuchen das Konzept logisch darzustellen. So richtig die Idee klingen mag, so falsch ist sie.

Tatsächlich filtert unsere Leber unentwegt Giftstoffe aus unserem Körper und gibt sie unter anderem durch den Harn oder die Haut ab. Eine besondere Diät oder der allgemeine Nahrungsverzicht wird dazu nicht benötigt, denn eine Vergiftung herrscht in unserem Körper nicht vor. Würden wir tatsächlich mit der Zeit vergiften, würden wir dies sehr schnell bemerken.

Vielmehr hungern sich die Teilnehmer eine Zeit lang ab, verlieren viel Wasser, Muskeln und geringe Mengen an Fett. Im Endeffekt erarbeitet man sich durch solche Tee-Diäten höchstens den Jojo-Effekt. Im schlimmsten Fall treten vorher negative Erscheinungen, wie Ohnmacht oder Schwächeanfälle, durch die fehlende Nahrungsaufnahme auf.

Wer also wirklich langfristig an seinem Körper und der Gesundheit arbeiten möchte, sollte sich einer langfristigeren Taktik bedienen.

Mythos Nr. 4: Superfoods

Fast wöchentlich gibt es neue Hypes und Trends um sogenannte „Superfoods“. Diesen sagt man unglaubliche Eigenschaften für den Fettabbau und die Gesundheit nach. In der Realität gibt es nur Lebensmittel mit mehr oder weniger Mikronährstoffen.

Lebensmittel sind nie an sich gut oder schlecht, sondern nur auf Grund ihrer Inhaltsstoffe vorteilhaft oder unvorteilhaft für ein gegebenes Ziel. Und Wunderwaffen im Fettabbau gibt es schon gar nicht. Meist sind verbreitete „Superfoods“ (Goji-Beeren, etc.) auch noch unnötig teuer und könnten durch günstigere Alternativen (Beeren oder Leinsamen) mehr als ersetzt werden.

Mythos Nr. 5: In einer Diät sollte man sich anders ernähren, als im Alltag

Der Erfolg einer Diät wird vor allem durch das Durchhaltevermögen entschieden. Daher gilt es, eine Ernährungsform zu finden, die zum jeweiligen Alltag passt und nicht als Zwang empfunden wird. Um abzunehmen, sollten vorrangig kaloriendichte Lebensmittel, wie Reis, Nudeln, Öle oder Butter reduziert oder bewusst gegessen werden, um ein Kaloriendefizit zu erzielen.

Die Basis, also ausreichend Obst, Gemüse und Eiweiß, ist immer die gleiche. Es sind also vor allem die Mengen der kaloriendichten Lebensmittel, nicht die Lebensmittel an sich, die Alltag und Diät trennen. Jeder darf sich aber hin und wieder etwas Süßes gönnen, wenn es ihm hilft, langfristig am Ball zu bleiben. Denn Diäten gleichen eher einem Marathon, als einem Sprint.

Mythos Nr. 6: Bioprodukte sind immer gesünder

Fakt ist, dass beim biologischen Anbau auf bestimmte Pflanzenschutz- und Düngemittel verzichtet wird. Aussagen darüber hinaus sind schwer zu treffen und oft enthalten die Lebensmittel nur marginal höhere Anteile an Mikronährstoffen. Ausnahme sind Eier und Milchprodukte.

Zu bedenken ist in jedem Fall, dass anstatt herkömmlicher Pestizide, häufig Bio-Pestizide verwendet werden, die teils schädlicher für den Menschen sind. Da die Bio-Pestizide auf herkömmliche, getestete Inhaltsstoffe verzichten müssen, werden sie in viel höheren Dosen benötigt, als herkömmliche Schutzmittel. Wer den Preis für Bio-Produkte aufbringen kann und möchte, sollte sich daher im Detail fragen, für welche Produkte dies in welcher Menge Sinn macht.

Zu unterscheiden ist zudem zwischen Bio-Produkten aus dem Supermarkt und lokalen Bauernmärkten aus heimischem Anbau. Letztere haben neben der Bio-Herstellung den Vorteil, den CO2-Fußabdruck erheblich zu mindern, da auf lange Transportwege verzichtet werden kann.

Mythos Nr. 7: Die Mikrowelle zerstört Mikronährstoffe

Egal, wie Speisen zubereitet werden: Je länger und stärker etwas erhitzt wird, desto mehr Mikronährstoffe gehen verloren. Dies gilt fürs Braten, genauso wie für die Mikrowelle oder das Garen.

Überdurchschnittlich viele Mikronährstoffe gehen in der Mikrowelle aber nicht verloren, auch wenn dies immer wieder behauptet wird.

Mythos Nr. 8: Frisches Gemüse ist besser als Tiefkühlgemüse

Tiefkühlgemüse wird in der Regel sofort nach der Ernte schockgefroren, wobei die Mikronährstoffe erhalten bleiben.

Bei schonender Zubereitung kann Tiefkühlgemüse sogar mehr Mikronährstoffe als frisches Gemüse enthalten und erspart im Zweifel viel Arbeit. Vorsicht ist geboten bei Tiefkühlprodukten, denen Zucker zugesetzt wurde.

Mythos Nr. 9: Eier erhöhen den Cholesterinspiegel

Cholesterin ist ein wichtiger Stoff für den Menschen und wird im Körper selber hergestellt. Bei erhöhter Zufuhr von Nahrungscholesterin wird der Körper schlichtweg weniger selber produzieren. Ungesunde Cholesterin-Werte kommen vor allem von generellem Übergewicht und nachrangig von der erhöhten Aufnahme, weshalb Cholesterin an sich nicht schädlich ist.

Im Übrigens ist so ziemlich jeder Bio-Marker bei übergewichtigen Personen erhöht. Bei genetischen Vorbelastungen lohnt dennoch der Besuch beim Arzt.

Mythos Nr. 10: Schokolade macht glücklich

Richtig ist, dass Schokolade Bestandteile des körpereigenen Glückshormons Serotonin enthält.

Die Mengen sind jedoch so gering, dass ein spürbarer Effekt erst bei überdurchschnittlichem Schokoladenverzehr eintreten würde. So viel, dass die einhergehende Fettzunahme sicher unglücklicher machen würde, als es Serotonin abfedern könnte. Hierbei kommt vielmehr ein psychologischer Effekt zum Tragen.

Mythos Nr. 11: Kaffee entwässert

Der Anteil an Flüssigkeit, den man vom Kaffee wieder ausscheidet, liegt nur unwesentlich höher als bei reinem Wasser. Kaffee kann daher in die Flüssigkeitsbilanz mit einbezogen werden.

Studien haben gezeigt, dass drei bis vier Tassen Kaffee täglich sogar gesundheitsfördernde Effekte haben.

Mythos Nr. 12: Wenn ich nach 18:00 noch etwas esse, nehme ich zu

Wer innerhalb der täglichen 24 Stunden zu viel Energie zuführt, nimmt zu.

Ob man nun reichlich frühstückt und abends weniger isst oder alle Kalorien am Abend vorm Zubettgehen zu sich nimmt, ist egal. Egal ob Kohlenhydrate, Fette oder Eiweiß: Essen wir, wenn es uns passt.

Mythos Nr. 13: Manche Menschen können einfach nicht zunehmen, egal was sie essen

Manchen Menschen fällt es einfach leichter Gewicht zu verlieren. Meist sind dies Personen, die von Natur aus wenig Hunger haben und nicht aus reinem Appetit essen.

Dennoch gilt: Wer auf Dauer einen Kalorienüberschuss herstellt, wird zwangsläufig Masse aufbauen. Das gilt für Menschen, die sich sehr ungesund ernähren, genauso wie für sehr bewusst essende Personen.

Maßgebliche Unterschiede im Energieverbrauch und dem Stoffwechsel gibt es hingegen nicht.

Mythos Nr. 14: Gluten und Laktose sind ungesund

Für Laktose und Gluten gilt: Menschen, die eine genetische Unverträglichkeit haben, sollten Produkte meiden, in denen der entsprechende Stoff enthalten ist. Alle anderen machen sich unnötige Arbeit, wenn sie dem moderaten Konsum aus dem Weg gehen. Weder Laktose, noch Gluten sind in üblichen Mengen schädlich.

Im Gegenteil: Glutenhaltige Lebensmittel und Milch sind voller Mikronährstoffe, die sie zu einem wertvollen Bestandteil in der Ernährung machen können.

Mythos Nr. 15: Durch eine zu saure Ernährung kommt der Säure-Basen-Haushalt aus dem Gleichgewicht

Wieder ein toller Marketing-Streich. Unser Körper ist ein unglaublich ausgeklügeltes System. Essen wir saure Speisen, so produziert unser Körper weniger Magensäure und steuert durch neutralisierende Basen gegen. In Folge ist der pH-Wert des Körpers praktisch immer konstant.

Würde dieses Gleichgewicht wirklich gestört sein, würden starke Vergiftungserscheinungen auftreten, die sofort ärztliche Hilfe verlangen. „Basische Diäten“ bürgen daher den Anwendern unnötigen Zwang auf, der im Grunde vollkommen nutzlos ist.

Manchmal erscheinen Dinge als richtig und logisch, weil viele Menschen sie verbreiten. Lassen wir uns nicht täuschen. Heutiges Marketing erfordert einen Grad an Skepsis und Eigenrecherche, die sich jedoch lohnt und neben Mühe noch Geld spart. Sobald versucht wird, eine Ursache-Wirkungs-Beziehung für viele Erscheinungen festzumachen („Insulin allein macht dick!“), kann meist schon etwas nicht stimmen. Dann ist Vorsicht geboten und die Recherche durch unabhängige Quellen angebracht.

Ich hoffe, mit einigen Ernährungsmythen erfolgreich abgerechnet zu haben. Wer möchte, findet auf dieser Seite mein Buch und mein E-Book mit den Hintergründen zur Ernährung. Ich zeige dir, wie man erfolgreiche Ernährungspläne schreibt und die Ernährung so anpasst, dass sie wirklich zu dir passt.

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